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Neue Studie "Tödlicher Fluglärm"

02.12.2020 von Albert Ebhart

Quelle: www.bi-fluglaerm-raunheim.de, Aktuelles

Eine neue Studie am Flughafen Zürich zeigt, dass Fluglärm nicht nur langfristig krank macht, sondern insbesondere Fluglärmereignisse in der Nacht auch direkt zum Tod führen können.


Untersucht wurden knapp 25.000 Herz-Kreis­lauf-bedingte Todesfälle im Umkreis des Flughafens in den Jahren 2000-2015. Die Forscher­*innen fanden einen signifikanten Zusammen­hang zwischen einem Lärmereignis im Zeit­raum von 2 Stunden vor dem Tod mit allen Sterbe­fällen aufgrund von kardio-vaskulären Krankheiten. Frauen waren stärker betroffen als Männer, ebenso Menschen in sonst ruhigen Gegenden und/oder in schlecht schallgedämmten Häusern.

Natürlich sind normaler­weise keine gesunden, jungen Menschen unter diesen Todes­fällen. Das Durch­schnitts­alter der Betroffenen liegt für Frauen über 80, bei Männern um 75 Jahre, Vorerkrankungen sind die Regel. Ob diese Vorerkrankungen auch durch Fluglärm bewirkt wurden, konnte in dieser Studie nicht ermittelt werden, wäre aber durchaus plausibel. Auf jeden Fall wurde den Betroffenen Lebens­zeit gestohlen, es waren Fluglärmereignisse, die ihren Tod bewirkt haben.

Die Studie konnte auf den umfang­reichen Datenpool zurück­greifen, der in der Schweiz mit dem Projekt SiRENE zur Untersuchung der Folgen von Verkehrs­lärm bereit­gestellt wurde. Die Autoren verwenden auch viel Mühe darauf, ihre Ergebnisse statistisch abzusichern, so dass es schwierig werden dürfte, begründete Zweifel an den Ergebnissen vorzu­bringen.

Damit liegt ein weiterer Baustein vor, um die negativen gesundheitlichen Wirkungen von Fluglärm, insbesondere während der Nachtzeit, zu beschreiben. Im Kern sind diese Wirkungen natürlich schon seit Jahren bekannt, aber durch zahlreiche neue Ergebnisse der letzten Jahre werden die Aussagen immer wieder gesichert und präzisiert. So hat die Weltgesundheitsorganisation WHO 2018 neue Leitlinien für die tolerierbare Lärmbelastung der Bevölkerung vorgelegt, die deutlich niedrigere Grenzwerte fordern, als derzeit gültig sind. Eine aktuelle Studie ergänzt diese Leitlinien noch um neuere Ergebnisse, speziell für den Nachtlärm.

Die Autoren der Züricher Studie lassen offen, welche Schlussfolgerungen aus ihren Ergebnissen gezogen werden sollten. Sie betonen lediglich, dass dadurch die Notwendigkeit eines Nachtflugverbotes, das in Zürich derzeit von 23:30 bis 6:00 Uhr gilt, bestätigt wird.

Die Bürgerinitiativen im Rhein-Main-Gebiet mit dem wesentlich größeren und lauteren Frankfurter Flughafen können sich natürlich ebenso in ihrer Forderung nach einem Flug­verbot in der gesamten gesetzlichen Nacht, von 22:00 bis 6:00 Uhr, bestätigt fühlen. Eine "Kern-Nacht" von 0:00 bis 5:00 Uhr reicht in keinem Fall aus, um Ereignissen, wie sie in der Züricher Studie dokumentiert wurden, vorzubeugen.

Die Realität ist leider eine andere. Zwar sind derzeit die Landungen verspäteter Flugzeuge nach 23:00 Uhr, die vor zwei Jahren noch in großem Ausmaß stattfanden und rechtlich kaum antastbar sind, wegen des Pandemie bedingten Rückgangs der Flugbewegungen kein großes Thema. Aber die Luftverkehrswirtschaft lässt es sich trotz dieses Rückgangs nicht nehmen, die Region ab 5:00 Uhr morgens mit Lärm zu überziehen, obwohl die Flüge zwischen 5:00 und 6:00 Uhr sicher leicht auf freie Slots zu späteren Zeitpunkten zu verschieben wären.

Ohne starken politischen und gesellschaftlichen Druck, der in rechtlichen Zwang mündet, wird sie sich auch nicht bewegen. Die Züricher Studie liefert ein weiteres Argument dafür, diesen Druck endlich zu entwickeln.

Nachfolgender Link für die Studie:

https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehaa957/6007462

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