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Zehn Jahre Konflikt um Landebahn

03.11.2021 von Albert Ebhart

Ein Beitrag von Hans Schinke / Offenbach

 Aus Anlass der Eröffnung der Landebahn Nordwest vor zehn Jahren am 21. Oktober 2011 hat die Offenbach-Post einen eindrucksvollen Artikel veröffentlicht, der genau die Konfliktlinie beschreibt zwischen der Wachstumsperspektive des Flughafens einerseits und der damit einhergehenden verstärkten Lärmbelastung für die Flughafenanwohner andererseits. Es ist dabei sehr deutlich geworden, dass das Geschäftsmodell der Fraport AG zu Lasten von Gesundheit, Umwelt und Klima geht und die Gesundheit bei der Abwägung mit den Arbeitsplätzen wie so oft den Kürzeren gezogen hat. Zudem werden beim Lärmschutz nicht etwa die Anwohner durch leisere Flugzeuge vor dem Krach am Himmel geschützt, sondern kostengünstig mit Schallschutzfenstern oder Lüftern abgespeist.

 Zu korrigieren ist die Information, dass ein vergleichsweise strenges Nachtflugverbot zwischen 23 und 5 Uhr in Kraft getreten sei. Es gibt vielmehr lediglich Betriebsbeschränkungen, weil verspätete Starts mit Ausnahmegenehmigungen bis 24 Uhr durchaus möglich und verspätete Landungen zwischen 23 und 0 Uhr auch ohne Genehmigung jederzeit zulässig sind. Nachdem die Zahl der Protestierenden im Laufe der Jahre zurückgegangen ist, weil die Menschen resigniert haben oder schlichtweg zehn Jahre älter geworden sind, kommt jetzt mit Fridays for Future und dem wegweisenden Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 24. März 2021 zum Klimaschutzgesetz der Bundesregierung neuer Schwung in die Sache. Danach wird es für die Luftfahrt verbindliche CO2-Reduktionsziele entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette geben. Wie sich diese Reduktionsziele mit den Wachstumsperspektiven des Flughafens unter einen Hut bringen lassen, bleibt das Geheimnis des Fraport Vorstands. In den zehn Jahren des Protests habe ich viele interessante Menschen' getroffen und endlich die von der Politik in Wiesbaden verkündete ,,Relativitätstheorie des Lärms" begriffen, dass es nämlich auch dann leiser werden kann, wenn es nicht so laut wird wie ursprünglich gedacht.

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